Von Prim. Dr. Barbara Neudorfer

Barmherzige Brüder Linz Institut für Orthoptik, Pleoptik und Neuroophthalmologie

Seit Jänner 1977 besteht eine eigenständige Sehschule am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz. Beginnend mit einer Orthoptistin wurde unter der damaligen Leitung von Prim. Prof. Dr. Siegfried Priglinger, das Institut zu einer der größten Sehschulen Österreichs ausgebaut.
Am 1. Juli 2005 wurde Prim. Dr. Barbara Neudorfer zum neuen Vorstand des Institutes für Orthoptik, Pleoptik und Neuroophthalmologie ernannt.

Am Institut werden Erwachsene und Kinder sowohl strabologisch, pleoptisch, neuroopthalmologisch, elektrophysio­logisch sowie kinderophthalmologisch abgeklärt.
Eines der vordringlichsten Behandlungsziele ist die Therapie einer Amblyopie bei Kindern, die z.B. durch rechtzeitige Diagnose der Schielform oder eines nicht korrigierten Refraktionsfehlers vermieden werden kann. Hier sind auch die Beobachtungen der Eltern und des Kinderarztes wesentlich und können mit einem klaren Behandlungskonzept durch Occlusion therapiert werden.
Je nach Schielform wird auch eine prismatische Korrektur zum Ausgleich des Schielwinkels und im Weiteren eine Schieloperation durchgeführt. Augenstellungsfehler bei Erwachsenen können ebenfalls vielfältige Probleme, wie Bildzittern und unscharfes Sehen sowie Kopfschmerzen verursachen und werden an unserem Institut abgeklärt und therapiert.

Bei erworbenen Schielformen wird nach neuroophthalmologischer Untersuchung der Ort der Schädigung eingegrenzt.
Hier werden nukleäre, supranukleäre und periphere Augenmuskelparesen, erworbener Nystagmus, zentral-vestibulär oder peripher-vestibulär bedingter Schwindel, Störungen der zentralen Okulomotorik und Kopfschmerz diagnostiziert und soweit möglich therapiert.Die weitere Abklärung erfolgt in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit der Neurologie unseres Hauses unter Leitung von Prim.Univ. Doz. Dr. Eggers.
Als Ursache kommen neben Schilddrüsenerkrankungen, Au­­gen-­ und Hirntumor, Multiple Sklerose, Zuckerkrankheit, Durchblutungsstörungen, mitochodrale Erkrankungen … in Frage.

An unserem Institut wird auch eine elektrophysiologische Abklärung durchgeführt.
Hier wird einerseits die Opticusfunktion mittels visuell evozierter Potentiale (VEP) geprüft, zum anderen die Retinafunktion mittels Elektroretinogramm (ERG), multifokales ERG (MERG) und Elektrookulogramm (EOG), um genetisch bedingte Netzhauterkrankungen oder z.B entzündliche oder kompressive Sehnerv­erkrankungen nachzuweisen oder auszuschließen.

Im Rahmen der an unserer Abteilung angebotenen Neurorehabilitation können wir auch visuelle Rehabilitation bei

Patienten mit Gesichtsfeldeinschränkungen, Störungen der Folgebewegungen und der Blickzielbewegungen in Folge eines Unfalls mit cerebralem Trauma, ZNS Tumoren sowie nach Insulten oder Blutungen anbieten. Zum Einsatz kommen optomotorische Reizmusterbehandlung, kontrollierte Diagnostik, Stimulation mit räumlich zeitlichen Frequenzmustern am Bildschirm, Explorationstraining und orthoptisches Training von Folgebewegungen und Sakkaden etc.

Optische Rehabilitation durch Anpassung vergrößernder Sehhilfen mit Lupenbrille, Lupe, Fernrohrsystemen und Lesegerät ist ebenfalls Teil unserer Angebote. Hier konnte durch die seit März 2006 eröffnete Augenoptik unter Geschäftsführung von Peter Hochhauser eine Optimierung der Patientenbetreuung und Versorgung erreicht werden. Alle zur optimalen optischen Rehabilitation erforderlichen Hilfsmittel sind Vorort vorhanden und werden im interdisziplinären Team ­Sehschularzt – Orthoptistin – Augenoptiker an­gepasst.
Ebenso ist nun eine optimale Versorgung unserer kleinsten Patienten gegeben. Babys mit congenitaler Catarakt werden an unserer Augenabteilung von Prim. Prof. DDr. U. Schönherr operiert, anschließend erfolgt die Kontaktlinsenanpassung durch die Augenärzte der Sehschule und Abgabe der bereits lagernden Kontaktlinsen durch die Augenoptik, so dass eine kürzest mögliche optimale Versorgung gegeben ist.

Das operative Spektrum umfasst alle Arten von Schiel­operationen, nystagmusberuhigende Operationen, Ptosis­chirurgie und Lidchirurgie mit besonderer Berücksichtigung der lidästhetischen Chirurgie und Tränenwegssondierungen. Die Operation werden tagesklinisch durchgeführt. Eine Verbandversorgung ist in den meisten Fällen nicht mehr erforderlich.
In enger Zusammenarbeit mit unserer Geburtshilfeabteilung unter Leiting von Prim. Dr. H. Gründling wird an unserem Institut jedes Neugeborene augenärztlich begutachtet um ehestmögliche Auffälligkeiten zu erkennen und zu behandeln.
Zusätzlich wird das Kinderspital konsiliarisch 3x wöchentlich betreut.

Seh- und Mehrfachbehinderten Kinder werden durch unsere Sehfrühförderinnen in der neu eröffneten Sehfrühförderstelle betreut und ihre visuellen Fähigkeiten unter Berücksichtigung der anderen Sinnesbereiche soweit möglich trainiert. Ein standardisierter Diagnostikbogen gibt präzise Hinweise auf Teilleistungen, deren Defekte mit verschiedensten Hilfsmitteln und Computerprogrammen visuell stimuliert und in interdisziplinärer Zusammenarbeit therapiert werden. Hier sind auch Hausbesuche möglich.

Ziel unserer Arbeit ist es, unseren kleinen und großen Patienten bestmögliche fachliche und mitmenschliche Hilfestellung geben zu können.