Von Univ. Prof. Dr. Christoph Faschinger

Die Kataraktoperation als tages­chirurgischer Eingriff

Im Jahr 2003 betrug die Wartezeit auf eine Katarakt­operation an der Universitäts-Augenklinik Graz mehr als 15 Monate, in Summe warteten ungefähr 4.000 PatientInnen. Das Einzugsgebiet ist riesig: Steiermark (außer dem Norden), Mittel- und Südburgenland sowie Ostkärnten, der Ruf der Augenklinik ist sehr gut, die Furcht der PatientInnen vor der Operation gering.

Nach reiflicher Vorbereitung (Infrastruktur, Informations- und Dokumentationsschritte, Personalaufstockung), auch mit Hilfe der Krankenhausverwaltung, wurde am 1. Juli 2004 mit den tageschirurgischen Kataraktoperationen begonnen. Die PatientInnen werden per Fax vom Facharzt / von der Fachärztin angemeldet und erhalten vom Kliniksekretariat einen Termin zur kompletten Voruntersuchung (augenärztliche Untersuchung, Biometrie, Aufklärung und Einverständniserklärung, Vorstellung beim Anästhesist / bei der Anästhesistin). Danach wird der Operationstermin für die Zeit innerhalb der folgenden 14 Tage fixiert.
Nach einem kurzen Augencheck durch den Operateur / die Operateurin erfolgt die Operation in Tropf- oder Peribulbäranästhesie nach Wunsch des Patienten / der Patientin. Der Heimtransport erfolgt dann nach dem Mittagessen durch Angehörige. Die postoperativen Kontrollen werden an Wochentagen von den niedergelassenen KollegInnen, an Wochenenden an der Klinik durchgeführt.

Während der ersten 18 Monate wurden 1.817 Katarakt­operationen tageschirurgisch und 4.084 stationär durchgeführt, dies sind 30,8%. Das Durchschnittsalter lag bei 70,7 (Bereich 16–92) bzw. 75,5 Jahren (Bereich 20-100). Da alle Operationen von den erfahrensten ChirugInnen durchgeführt wurden, waren Komplikationen, welche eine stationäre Übernahme erfordern, äußerst selten (2 von 1.817 Eingriffen). Ein Cochrane Review bestätigte, dass die Tageschirurgie keine größeren Risken im Vergleich zur stationären Versorgung aufwies. Die Zufriedenheit der PatientInnen war ausgesprochen hoch. Es wurde wiederholt da­rauf hingewiesen, dass man froh sei, zuhause in der gewohnten Umgebung übernachten zu können. Aufgrund der dichten und hervorragenden Versorgung mit niedergelassenen KollegInnen, die in den „Genuß“ des postoperativen erstmaligen Augenöffnens kommen, funktioniert auch die postoperative Betreuung ausgezeichnet.

Auch volkswirtschaftlich ist die tageschirurgische Operation ein Gewinn. Im Bereich der leistungsorientierten Krankenhausversorgung werden praktisch gleich viele LKF Punkte vergeben. Die Warteliste, welche als explizierte Liste mit 3 Dringlichkeitsstufen neu gegliedert wurde, konnte auf 1.800 PatientInnen abgebaut werden, die Wartezeiten haben sich auf durchschnittlich 9 Monate verkürzt. In Summe kann das tagesklinische Modell für die Kataraktchirurgie sehr empfohlen werden.