Von Ronald D. Gerste

Ein Teenager, der im hohen Alter Schutz bietet – die IOL mit Blaulicht­filter wird 15 Jahre

Fünfzehn Jahre erscheinen nicht wie eine sehr große Zeitspanne – und doch: man erinnere sich, was vor eineinhalb Jahrzehnten in unserem Leben anders war. Wer Informationen zu einem wissenschaftlichen Thema suchte, begab sich die die nächstgelegene Stadtbücherei oder, so man eine alma mater in der Nähe hatte, Universitätsbibliothek und schlug in der dortigen lexikalischen Sammlung nach – ein Internet, das heute per Google in Sekundenbruchteilen Informationen liefert, gab es noch nicht. Wer mobil telefonieren wollte, schleppte ein Gerät von der Größe eines Briketts mit sich herum, Hobbyfotografen brachten einen heute geradezu irrsinnig anmutenden Teil ihres Budgets für die Entwicklung von Bildern ins Fotolabor - heute, da Kleinbildfilme eine aussterbende Spezies sind, lädt man seine Fotos von der tausendfach wiederverwendbaren Chipkarte auf den PC und telefoniert derweil mit einem Handy, kaum größer als eine Streichholzschachtel.

Auf den ersten Blick weniger dramatisch, dafür aber von potentiell langfristigen positiven Auswirkungen auf Millionen Menschen war eine andere Innovation, die dieser Tage 15 Jahre alt wird und die eine neue Epoche in der Kataraktchirurgie einläutete. Bei dem, was japanische Techniker und Ophthalmologen damals konzipierten, geht es um nicht mehr oder weniger als dem weltweit erfolgreichsten chirurgischen Eingriff zu seiner kurativen auch noch eine prophylaktische Komponente hinzuzufügen. 1991 stellte der japanische Optikkonzern Hoya die erste Intraokularlinse mit Blaufilter vor, eine Pionierleistung, die auf intensive Forschungsarbeiten zurück geht, welche drei Jahren zuvor begonnen hatten. Bei der PMMA-Linse handelte es sich um ein dreiteiliges Modell, das später durch eine einteilige PMMA-IOL ergänzt wurde.

Bis zu jener Innovation waren „weiße”, also ungefärbte, Linsen der Standard in der Kataraktchirurgie (was auch noch einige Jahre so bleiben sollte), der einzige Schutzfilter, über den schon einige Modelle verfügten, war ein UV-Blocker. Doch bei vielen Ophthalmologen reifte allmählich die Erkenntnis, dass man mehr als nur den ultravioletten Spektralanteil von der Netzhaut eines älteren Patienten fernhalten muss, will man diese vor Phototoxi­zität schützen. Das Bewusstsein nämlich, dass Licht einen ganz wesentlichen pathogenetischen Faktor für die Entstehung und Progression einer altersabhängigen Makuladegeneration darstellt, setzte sich, gestärkt durch epidemiologische Studien wie die Bea­ver Dam- und die Blue Mountain-Study, immer mehr durch. Die Ratio in der Entwicklung der gelben IOL für Hoya und andere Firmen, die das Konzept später übernahmen: Durch die Gelbfärbung der IOL den potentiell gefährlichen, energiereichen blauen Anteile des Lichtes den Einfall auf eine vulnerable Makula zu verwehren, in der möglicherweise bereits Drusen oder andere Vorboten der nach wie vor schwer oder gar nicht zu therapierenden AMD, der altersbedingten Makuladegeneration, vorliegen.

Die Schlüssigkeit dieses Konzeptes, das einen Schutz der Makula verspricht, auf jeden Fall jedoch dem Patienten weder funktionelle noch sonstige Beeinträchtigungen beschert, machte „die Gelbe“ zu einer Erfolgsstory. Heute ist die Blaulichtfilterlinse der neuesten Generation, die Hoya AF-1, aus hydrophobem Acrylat hergestellt, ist mit Pinzette oder Injektor leicht zu implantieren, verfügt über jene scharfe Optikkante, die der Migration der Linsenepithelien und damit der Nachstarbildung im wahrsten Sinne des Wortes eine Barriere vorschiebt und hat exzellente optische Eigenschaften: in einer Studie aus Eichstätt lag bei 189 netzhautgesunden Augen ein durchschnittlicher bestkorrigierter Visus von 1,0 vor. Verschiedene Arbeiten haben inzwischen eindeutig belegt, dass eine gelbe IOL keinerlei nachteiligen Einfluss auf die Farbwahrnehmung oder die Kontrastsehschärfe der Patienten ausübt. In Österreich und den anderen deutschsprachigen Ländern steht die Firma Polytech dem Augenarzt als Ansprechpartner, Berater und Lieferant für eine Innovation zur Verfügung, die exzellenten Visus mit guter Langzeitprognose zu verbinden verspricht.

Ob Blaulichtfilterlinsen wirklich die Progression der AMD im Vergleich zu „weißen“ IOL reduzieren können, werden umfassende Studien zeigen. Doch, so der Leipziger Ophthalmologe Prof. Dr. Peter Wiedemann jüngst auf einem Symposium der Firma Polytech in Wien: “Es erscheint klug, die natürliche Linse durch eine Linse zu ersetzen, die den Blaulichtanteil reduziert, das wäre also eine Gelbe.” Denn das Ziel der Kataraktoperation ist heute wie vor 15 oder 150 Jahren zu Albrecht von Graefes Zeiten: dass der Patient lebenslang gut sehen kann. Nur sind heute im Vergleich zu früher die Aussichten dafür wesentlich besser.