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Niedergelassener Augenfacharzt: Quo vadis? Im österreichischen Gesundheitssystem zeichnet sich eine äußerst bedenkliche Tendenz ab: Über die Köpfe der Ärzte
hinweg verlagern die Krankenkassen Leistungen aus niedergelassenen Facharztordinationen ins Spital. Teilweise werden sogar ganze Stellen von niedergelassenen Ärzten ins Spital transferiert. Zusätzlich soll es Pläne geben, die Kassenplanstellen für
Fachärzte zu reduzieren. Stattdessen will man Facharztzentren in den Spitälern einrichten, weil die Leistungen im Spital billiger sein sollen als in Ordinationen. Diese Entwicklung ist ein harter Schlag gegen die gesamte niedergelassene Fachärzteschaft. Die Sparschiene der Gebietskrankenkassen wirkt sich massiv auf die Fachgruppe der Augenärzte aus. So führt etwa die Streichung der Kassenanteile für Brillen dazu, dass die Augenärzte ungefähr 10 Prozent ihrer Fälle verlieren werden. Im Übrigen befürchten auch die Optiker einen enormen Einbruch ihrer Umsätze. Die Streichungen sind also ein vernichtender Schlag für die gesamte Gesundheitsvorsorge! Alles scheint sich dem Spargedanken unterzuordnen: In einem Bericht der „Niederösterreichischen Nachrichten“ heißt es, die Gebietskrankenkasse in Niederösterreich genehmige den Optikern, Refraktionen selbst durchzuführen und auf Kassenkosten abzugeben. „Gleiches Ergebnis, weniger Kosten“ zitierte die „NÖN“ den Obmann der NÖGKK, Gerhard Hutter. Mit der Genehmigung für Optiker zur Sehschärfenmessung passt sich Hutter einem derzeit beliebten Trend an: Optiker dürfen immer mehr in medizinische Gebiete hinein, die bisher in den Kompetenzbereich der Fachärzte gefallen sind. Ganz abgesehen von Qualitätsproblemen bedeutet diese Erlaubnis eine enorme Kostensteigerung. Denn Optiker sind weitgehend umsatzorientiert und unterliegen zudem keiner ökonomischen Verschreibweise. Fischen in fremden Gewässern Fort- und Weiterbildungen sind für jede Berufssparte wichtige Kriterien der Qualitätssicherung. Zahlreiche Optiker besuchen jedes Jahr die Kurse der Osterakademie in Hall/Tirol und werden dabei unter anderem in Perimetrie, Spaltlampenbetrachtungen, Pupillen-Screening, Augenhintergrund-Untersuchungen, Skiaskopie und Fundusfotografie unterrichtet. Doch es gibt keinen Anlass dafür, dass Optiker aus diesen Fortbildungen eigene Kompetenzen ableiten und als Augenärzte tätig werden dürfen! Aber auch die Augenärzte müssen etwas ändern Die Optiker sind uns hier einen Schritt voraus: Mit viel Geld absolvieren sie Zusatzausbildungen, deren Diplome dann auch prominent in den Verkaufsräumen hängen. Den Kunden beeindruckt das allemal. Als „Master of optometry“ nehmen Optiker aber Kompetenzen in Anspruch, die ihnen nicht zustehen. So wollen sie zum Beispiel Kinder mit Lese-/Rechtschreib- oder Verhaltensstörungen diagnostizieren und therapieren. Anstatt Eltern an kompetente Kinder- und Augenärzte sowie an Psychologen zu verweisen, schicken die Optiker sie zu fragwürdigen „Lerninstituten“ oder „therapieren“ sie mit Prismenbrillen. Mit diesen wirkungslosen Therapien geht viel Zeit verloren und Eltern und ihre Kinder geraten unter ungeheuren psychischen Druck. Ganz nach dem Motto: Außer Spesen nichts gewesen. Gegen diese Entwicklung müssen wir vehement ankämpfen. Die Wiener Ärztekammer hat deshalb eine Zertifikatsausbildung zum Thema „Okulare Lese-Rechtschreibstörung“ geschaffen. In Kooperation mit kompetenten Kinderpsychologen und -ärzten wollen wir ein Netzwerk schaffen, das hilfesuchenden Eltern zu kompetenter Diagnose und Therapie ihrer Kinder verhilft. Wir müssen die Optiker als Konkurrenz erkennen und uns danach richten. Die geschützte Werkstätte gibt es auch für uns Augenärzte schon längst nicht mehr. Deshalb müssen wir hart daran arbeiten, damit wir uns trotz oder gerade wegen der aktuellen Entwicklungen weiter behaupten können. Dazu gehört die konsequente augenärztliche Weiterbildung ebenso wie ein modernes kundenfreundliches Praxismanagement. Anstelle von so genannten „Küchenkammerlordinationen“ müssen wir vielmehr auf medizinische Qualität nach State of the Art achten sowie eine marketingorientierte Präsentation anstreben. Unser Ziel muss die Komplettversorgung von Patienten und Kunden sein. | |||||
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