Univ.-Doz. Dr. Stefan F. Egger
Therapie der AMD mit Lucentis –
Patientenmanagement an der Universitätsaugenklinik Salzburg
Seit zwei Monaten steht nun in Österreich im Wege eines „expanded access“ die Möglichkeit der Therapie von neovaskulären Formen der altersbedingten Makuladegeneration mit Ranibizumab (Lucentis) zur Verfügung. Ranibizumab ist ein monklonales Antikörperfragment, gerichtet gegen menschlichen vascular endothelial growth factor (VEGF). Insbesondere in zwei großen randomisierten maskierten Studien konnte die Wirksamkeit der Substanz hinsichtlich Erhalt und Verbesserung der Sehschärfe, sowie Reduktion der vaskulären Leckage und retinalen Ödeme bei AMD nachgewiesen werden.
Intravitreale Injektion
Lucentis wird durch einen qualifizierten Ophthalmologen in den Glaskörperraum appliziert. Wie bei jeder intravitrealen Injektion besteht – neben anderen – auch das Risiko von Endophthalmitiden. Der Eingriff sollte daher in entsprechenden Räumen unter Verwendung aseptischer Injektionstechniken durchgeführt werden. Nach Desinfektion der periokulären Region wird – nach Applikation einer sterilen Abdeckfolie und Einsetzen eines Lidsperrers und Tropfanästhesie – eine sehr sorgfältige Desinfektion der Bindehaut mittels 5% Polyvidon Jod Lösung durchgeführt. Die Injektion von 0,05 ml (0,3 mg) Lucentis in den Glaskörper erfolgt via pars plana und ist in den vorliegenden Studien zumindest in den ersten drei Monaten alle vier Wochen wiederholt worden.
Patientenmanagement
Die zunehmende Zahl an Substanzen, die zur Behandlung verschiedener retinaler Erkrankungen intravitreal appliziert werden müssen, stellt naturgemäß auch neue Anforderungen an das Management dieser Patienten.
Im Rahmen der Voruntersuchungen wird bei den Patienten neben sorgfältiger ophthalmologischer Untersuchung und Visusbestimmung eine Fluoreszenzangiographie (im Bedarfsfall auch eine Indocyaningrün Angiographie) sowie OCT Untersuchung durchgeführt. Wird nun die Diagnose einer neovaskulären AMD gestellt, so wird der betroffene Patient ausführlich über seine Erkrankung aufgeklärt, die zur Verfügung stehenden therapeutischen Optionen werden erläutert. Wird dem Patienten eine Injektion von Ranibizumab empfohlen, so erfolgt über die Chancen aber auch Risken der Behandlung eine entsprechende Aufklärung. Stimmt der Patient der geplanten Therapie prinzipiell zu, so bekommt er ein eigens entworfenes Aufklärungsblatt ausgehändigt. Mit jedem Patienten wird ein Behandlungstermin innerhalb einer Woche vereinbart.
In Salzburg werden alle intravitrealen Injektionen unter sterilen Bedingungen im OP durchgeführt. Die Patienten werden dazu tagesklinisch aufgenommen, wobei zunächst nochmals eine kurze ophthalmologische Untersuchung erfolgt. Nochmals wird auch ein ausführliches Aufklärungsgespräch geführt, so dass auch in der Zwischenzeit aufgetretene Fragen beantwortet werden können. Nach Abklärung aller Unklarheiten und Unterzeichnung der Einverständniserklärung wird der Patient zur Behandlung in den Operationssaal gebracht.
Nachkontrolle und Wiederbehandlung
Wurde bei einem Patienten eine Lucentis-Injektion durchgeführt, so erfolgt routinemäßig nach drei Wochen eine neuerliche Kontrolluntersuchung. Selbstverständlich wurden die Patienten ausführlich darüber informiert, dass sie bei Auftreten von Schmerzen, Rötung des Auges, Sehverschlechterung oder auch anderen Augenbeschwerden jederzeit die Ambulanz der Klinik aufsuchen können und auch sollen.
Im Rahmen der routinemäßigen Kontrolle wird wiederum der Visus erhoben, eine funduskopische Untersuchung sowie eine FLA und OCT Kontrolle durchgeführt. Eine „automatische“ Wiederbehandlung mit Lucentis nach 4 Wochen führen wir in Salzburg nicht durch. Zeigen die erhobenen Befunde eine Stabilisierung des Zustandsbildes – im Sinne von fehlender Leckage in der FLA, Abflachung der Netzhautverdickung im OCT, vielleicht auch Anstieg des Sehvermögens – so wird ein neuerlicher Kontrolltermin in vier Wochen vereinbart. Die Patienten werden zu regelmäßigen Selbstkontrollen mittels Amsler Netz angehalten und aufgefordert sich bei Verschlechterung sofort zu melden.
Hat sich bei der ersten Kontrolluntersuchung keine oder nur eine geringe Stabilisierung eingestellt, so wird eine weitere Lucentis-Injektion innerhalb der nächsten Woche durchgeführt. |