Diabetische Retinopathie –
Aktuelle Therapie
Von Prof. Dr. Christoph Scholda
Die Behandlung der diabetischen Retinopathie hat sich seit Einführung der Anti-VEGF-Therapie grundlegend verändert.
Nach den ersten Nachweisen der therapeutischen Effektivität der selektiven VEGF165-Blockade sowohl bei der diabetischen Maculopathieals auch bei der proliferativen diabetischen
Retinopathie durch Pegaptanib (Macugen ®) hat sich die Therapie der Blockade aller Isoformen durch Ranibizumab (Lucentis®) als auch mit Bevacizumab (Avastin®) durchgesetzt. War man anfangs der Auffassung, dass eine Monotherapie mit intraokularer Injektion von VEGF-Blockern
der konventionellen Laserkoagulation zumindest ebenbürtig ist, haben Studien mit mehrjährigen
Kontrollzeiträumen die langfristige Überlegenheit der Laserkoagulation bewiesen. Der rasche
Wirkungseintritt der intraokularenVEGF-Blockade wiederum – nach derzeitiger Datenlage bereits innerhalb von Stunden nach der Injektion – lässt die Injektion von VEGF-Blockern als Therapie der Wahl zur akuten Beherrschung der diabetischen Retinopathie und zur Gewinnung eines
Zeitfensters zur Durchführung der Lasertherapie erscheinen.
Von allen derzeit zur Verfügung stehenden VEGF-Blockern liegen die meisten Studien in Bezug auf die diabetische Retinopathie, insbesondere der diabetischen Maculopathie für Ranibizumab (Lucentis®) vor. Die Phase II-Studie (RESOLVE) zeigte die Effektivität von Ranibizumab sowohl hinsichtlich der Reduktion der zentralen Netzhautdicke als auch hinsichtlich der Funktion bei der Therapie des diabetischen Maculaödems. Die Studien READ 1 und READ 2 zeigten ähnliche Effekte. Für Ranibizumab (Lucentis®) ist die klinische Zulassung für diese Indikation in Kürze zu erwarten.
Die intraokulare Injektion von Triamcinolon zeigte sich in der Therapie des diabetischen
Maculaödems in einigen Studien hinsichtlich der Effektivität und der Wirkungsdauer
überlegen. Die wesentlich höhere Rate an lokalen Nebenwirkungen, wie Drucksteigerung und Cataract-Entwicklung, lassen jedoch Triamcinolon nicht als First-Line-Therapie in der Behandlung des diabetischen Maculaödems erscheinen. Andererseits hemmt Triamcinolon einen
wesentlichen Pathomechanismus der diabetischen Retinopathie: die Inflammation.
So konnte z. B. gezeigt werden, dass durch Kombination der panretinalen Lasertherapie
mit intraoklularem Triamcinolon die Entstehung eines diabetischen Maculaödems hintangehalten werden kann. Die Kombination einer intraokularem VEGFBlockade mit einer Laserkoagulation hat
sich in einigen Studien in der Behandlung sowohl der proliferativen diabetischen Retinopathie
als auch des diabetischen Maculaödems als vorteilhaft und effektiv erwiesen. So werden derzeit
intraokulare VEGF-Blocker mit einer in engem zeitlichem Abstand applizierten Laserkoagulation erfolgreich kombiniert.
Der präoperative Einsatz von VEGFHemmern hat sich auch im Hinblick auf die intraoperative Blutungsneigung, auf die postoperative Nachblutungstendenz sowie auf die Resorptionstendenz postoperativer Nachblutungen in mehreren Studien positiv ausgewirkt. Wurde bis vor Kurzem der VEGF-Hemmer bei Augen mit schwerer fortgeschrittener proliferativer diabetischer Retinopathie noch eine Woche vor dem Eingriff injiziert, so haben Studien gezeigt, dass die Injektion ein bis zwei Tage vor dem Eingriff ebenso wirksam ist hinsichtlich des intraoperativen blutungsmindernden Effektes, die Komplikation der Fibrosierung und die Gefahr der Entstehung
bzw. Verschlimmerung einer Traktionsamotio jedoch weitgehend vermeidet. Bestehen keine ausgeprägten Traktionen und ist das Ziel eine Aufklarung einer persistierenden Glaskörperblutung, so kann der VEGFHemmer auch ein bis zwei Wochen präoperativ injiziert werden.
Neue Therapieverfahren, wie die Injektion von VEGF-Rezeptor-Teilen (VEGF-Trap), oder die zusätzliche Applikation einer neuroprotektiven Therapie bei der Behandlung der diabetischen Retinopathie befinden sich derzeit in Erprobung.
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