Retinale 2009
Netzhauterkrankungen, ihre Diagnose und Therapieansätzewaren Inhalt der „RETINALE 2009“, zu der Mag. Heidrun Irschik-Hadjieff, MBA (Novartis Pharma) willkommen hieß. Wir bringen Highlights und Kurz-Zitate aus der RETINALE.
„OFF LABEL USE“ mit Haftungsrisiko
Dr. Christoph Baumgärtel, als Abteilungsleiter der AGES PharmMed für die medizinische
Bewertung von Arzneimitteln zuständig, kam in seinem Vortrag auch auf das Thema „OFF
LABEL USE“ zu sprechen. Er verglich dabei die Präparate Lucentis (Wirkstoff Ranibizumab –
ein monoklonaler Antikörper aus Escherichia coli) und Avastin (Wirksoff Bevacizumab – ein
Antikörper aus Ovarialzellen des chinesischen Hamsters). Lucentis ist zugelassen mit der
Indikation „Neovaskuläre altersabhängige Makuladegeneration (AMD), Avastin für die
Indikation diverse metastasierte Karzinome, z.B. Kolon- oder Rektumkarzinome.
Wer nun Bevacizumab bei AMD einsetzt, obwohl dafür keine Zulassungsstudien vorliegen,
(also im OFF LABEL USE) steht“, so Dr. Baumgärtel, „mit der Haftungsfrage im Zweifelsfall allein da“. Denn: laut Paragraf 8 des AMG wäre hier die Anwendung nicht zugelassene Präparate nur
zulässig, wenn die Abwehr einer schweren gesundheitlichen Schädigung mit einer „zugelassenen
und verfügbaren Arzneispezialität nach dem Stand der Wissenschaft voraussichtlich nicht erzielt werden kann“.
Prof. Dr. Ursula Schmidt-Erfurth
Das richtige Timing der Wiederbehandlung ist essentiell für den Behandlungserfolg mit Lucentis. Ein Zuwarten mit einer erneuten Behandlung kann zu einem irreversiblen Verlust von Photorezeptoren führen. Zuerst sieht man die Flüssigkeit im OCT, der Visus verschlechtert sich meist erst später.
Prof. Dr. Nikolaos Bechrakis
Die Anzahl der AMD-Patienten wird sich durch die ändernde Altersstruktur drastisch erhöhen. Auch durch aktuelle Therapieoptionen nimmt der Aufwand zur Behandlung der Patienten dramatisch zu. Derzeit wären rund 12.000 intravitreale Injektionen pro Jahr notwendig um alle Tiroler AMD-Patienten zu versorgen.
Prof. Dr. Christian Prünte
Für die Differential-Diagnostik ist die ICG-Angiographie eine wertvolle Option und kann vor allem bei Patienten, die schlecht auf die anti-VEGF Behandlung ansprechen, häufig die Indikation weiterer Therapienmöglichkeiten ergeben.
Prof. Dr. Christian Scholda
VEGF ist ein zentraler Faktor bei der Pathogenese einer Vielzahl von Netzhauterkrankungen
(z.B. AMD und DME). Aber er ist auf Grund des multifaktoriellen Geschehens nicht der einzig mögliche therapeutische Ansatz.
Prof. Dr. William F. Mieler
Die DME ist für die meisten schwersten Sehbehinderungen bei Diabetikern verantwortlich. Laserbehandlung ist nach wie vor der „Gold-Standard“ auch wenn mit Cortison zumindest ein kurzfristiger Benefit gezeigt werden konnte. Die vorliegenden Daten der anti-VEGFBehandlung
sind sehr vielversprechend.
A.o. Univ. Prof. Dr. Martin Weger
Die Interimsergebnisse der Grazer LUPRA Studie. Zeigen eine gute Wirksamkeit der Kombination von Lucentis und PDT bei RAP-Lesions. Allerdings ist das Ende des Beobachtungszeitraumes
abzuwarten, da die Mehrheit der Patienten noch nicht die Studie beendet haben.
Priv.-Doz. Dr. Siegfried Priglinger
Die Behandlung venöser retinaler Gefäßverschlüsse mit Anti-VEGF führt innerhalb weniger
Wochen zu einer deutlichen Reduktiondes Makulödems und Visusverbesserung.
Die Prognose scheint im Vergleich zur Standardtherapie deutich verbessert. (RAVO, BRAVO Studie)
Dr. med. Christian Ahlers
Untersuchungen an Gesunden haben gezeigt dass die überwiegende Mehrzahl der Gesamtbevölkerung mindestens eine (kleine) Druseauf der Netzhaut zeigt. Die Prävalenz von großen konfluierenden Drusen, die im Rahmen der AMD von prognostischer Bedeutung sind,
nimmt mit steigendem Alter jedoch deutlich zu.
Dr. Michael Tittl
Chorioretinopathia centralis serosa ist eine komplexe Erkrankung, die viele Behandlungsoptionen
zulässt. Neben Stresskarenz und Kortisoninjektionen sind vor allem mit Photodynamischer Therapie gute Therapieerfolge zu erzielen. |