Therapieoptionen bei Trockenem Auge

Von Ao. Univ.-Prof. Dr. Leopold Schmetterer

Das Trockene Auge ist eine häufige und ernstzunehmende Erkrankung der Augenoberfläche. Die Ursachen für die Erkrankung sind mannigfaltig, können aber grob in eine Tränenproduktionsstörung und einen evaporativen Tränenmangel eingeteilt werden. Die Symptome sind interindividuell unterschiedlich und reichen von Fremdkörpergefühl, Brennen, Kratzen, Druckgefühl, Schmerzen über Lidschwellung, Schleimabsonderung, verklebten Lidern bis hin zu Blendung, Lichtscheue und Sehstörungen.
Der Aufbau des Tränenfilms ist komplex. Klassisch unterteilt man ihn in die Lipidschicht, wässrige Schicht und Muzinschicht. Der Tränenfilm enthält jedoch zusätzlich eine Vielzahl von Substanzen
wie Lysozyme, tränenspezifisches Präalbumin, Lactoferrin und Immunglobulin A. Trockene Augen sind daher auch vermehrt infektionsgefährdet. Ein Hauptproblem beim Trockenen Auge ist die fehlende Sauerstoffversorgung der Hornhaut. Diese Funktion muss nun teilweise von den Bindehautgefäßen übernommen werden und führt zu Symptomen wie Rötung und Schwellung der Lider.
Aus diesem Grund ist die symptomatische Behandlung mit einem Tränenersatzmittel nach wie vor eine der Säulen der Therapie des Trockenen Auges. Eine besonders wichtige Stellung nimmt hier die Hyaluronsäure ein. Es handelt sich hierbei um eine makromolekulare Kette aus Disacchariden mit viskoelastischen Eigenschaften und gutem Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil. Für die Therapie des Trockenen Auges ist von besonderer Bedeutung, dass es sich um eine nicht-newton’sche Flüssigkeit handelt (die Viskosität ist abhängig von der Scherkraft). Die Konzentration der Hyaluronsäure ist je nach Schweregrad und Patientenpräferenz zu wählen. Unbedingt zu vermeiden sind Präparate, die Benzalkoniumchlorid als Konservierungsstoff beinhalten, da dieses toxisch ist, zu Allergien und Unverträglichkeiten führt und damit längerfristig die Symptomatik
verschlechtert. Weiters sind phosphatfreie Tropfen zu bevorzugen, da es zu einer Reaktion mit
aus der Hornhaut freigesetztem Calcium kommen kann und damit zur Bildung von Kristallen.
Damit Becherzellen entstehen können und damit eine ausreichende Produktion von Muzinen gewährleistet ist, ist das Vorhandensein von Vitamin A erforderlich. Ein Vitamin A-Mangel kann somit ein Trockenes Auge begünstigen. Therapeutisch kann durch Zufuhr von Vitamin A interveniert werden, etwa verabreicht als Augensalbe in der Nacht. Bei sehr schweren Fällen des Trockenen Auges kann es notwendig sein eine antiinflammatorische Therapie zu initiieren,
wobei hier zum Beispiel topisches Cyclosporin in Frage kommt. In letzter Zeit liegt ein besonderer Fokus auf Omega-3-Fettsäuren und ihrer Rolle in der Pathophysiologie des Trockenen Auges. Die Befunde, dass eine Substituierung von Omega-3-Fettsäuren bei Trockenem Auge die Symptomatik verbessert, häufen sich.

Zusammenfassend stellt das Trockene Auge eine komplexe Erkrankung der Augenoberfläche dar, die aber in vielen Fällen durch genaue Diagnosestellung und entsprechende Verwendung moderner
Therapien gut zu behandeln ist.