Augenoptik / Optometrie:
Qualität hoch im Kurs

Von KommR Gerhard Gschweidl, MSc, Bundesinnungsmeister

Marktüberblick über die Augenoptik-Branche
Mit unvermuteter Wucht ist zu Beginn dieses Jahres die Wirtschaftskrise hereingebrochen. Nun zum Jahresende stellt sich die Frage nach der Auswirkung auf die Augenoptikbranche.
Der österreichische Brillen- und Kontaktlinsenmarkt ist ein sehr lebendiger und dynamischer Markt, der durch einen harten Wettbewerb charakterisiert ist. Die Marktanteile der Fachoptiker und Filialkettenunternehmen haben sich in den vergangenen Jahren stabilisiert.
Bei Brillen ist wieder verstärkt Qualität gefragt. Dafür sind die Konsumenten auch gerne bereit, einen etwas höheren Preis zu bezahlen. So stiegen aufgrund der vorliegenden Marktzahlen die durchschnittlichen Ausgaben für eine optische Brille auf 255 Euro. Der Gesamtumsatz der Augenoptikbranche (inkl. Kontaktlinsen, Kontaktlinsenpflegemittel, Sonnenbrillen, Brillenzubehör
etc.) erhöhte sich auf 431 Millionen Euro. Aktuelle Zahlen für 2009 liegen derzeit noch nicht vor. Doch aus Gesprächen mit Kollegen und der Industrie dürfte sich für 2009 eine ähnliche Entwicklung abzeichnen.
Gerade in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten stehen bei den Kunden Sicherheit, Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit hoch im Kurs. Denn in Krisenzeiten suchen die Menschen etwas Sicheres und das verkörpern qualitativ hochwertige Produkte und Dienstleistungen. Laut einer Umfrage legen die Konsumenten besonderen Wert auf die Angebotsqualität, professionelle Beratung, angenehme Atmosphäre und optimalen Service.
Von den rund 3,5 Millionen fehlsichtigen Österreichern (ab 16 Jahren) sind 1,6 Millionen ständige und 1,9 Millionen gelegentliche Brillenträger. Die 1.100 Augenoptik-Geschäfte beschäftigen etwa 4.000 Mitarbeiter.
In diesem Zusammenhang ist es für unseren Berufsstand besonders erfreulich, dass die Lehrlingszahlen sogar steigend sind, da für unseren Gesundheitsberuf mit sehr guten Zukunftschancen zu rechnen ist. Insgesamt wandern pro Jahr rund 1,3 Millionen Brillen (inkl. optische Sonnenbrillen und Kinderbrillen) über den Ladentisch.

Eine positive Entwicklung zeichnet sich auch am Kontaktlinsenmarkt ab. Insbesonders
aufgrund der stärkeren Verbreitung der Silikon-Hydrogel-Kontaklinsen mit ihren gesünderen Materialeigenschaften und der damit verbundenen besseren Verträglichkeit stieg die Zahl der Kontaktlinsenträger um 7,7 Prozent auf 570.000 an.
Ein großes Marktpotential besteht bei optischen Sonnen- und Sportbrillen. Denn nur 20 Prozent der Brillenträger besitzen eine adäquate optische Sonnen- bzw. Sportbrille. Das bedeutet, rund 80 Prozent der Fehlsichtigen sind beispielsweise auf den Skipisten quasi im Blindflug unterwegs.
Weiters ist auch der Bereich der Bildschirmarbeitsbrille ausbaufähig, denn 55 Prozent aller Beschäftigten in Österreich nutzen einen Computer am Arbeitsplatz.

Fachhochschullehrgang für Optometrie

Die Errichtung eines Fachhochschullehrganges Optometrie in Tirol steht unmittelbar vor dem Abschluss. Die erforderliche Bedarfs- und Akzeptanzanalyse wurde über den Sommer durchgeführt, wobei der Studiengang Optometrie einstimmig begrüßt und positiv bewertet wird. Obwohl der derzei tigen Augen- und Kontaktlinsenoptikerausbildung in Österreich ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt wird, ist eine Angleichung an europäische Ausbildungsstandards erforderlich.

Die Erkenntnisse der Experten lassen sich wie folgt zusammenfassen:
• Die fachliche Professionalisierung der Optometristenausbildung soll in„bologna-konformen“ Ausbildungsstrukturen vorangetrieben werden.
• Der Studiengang Optometrie wird nicht anstatt der bisherigen Ausbildung (Meister- und Kontaktlinsenprüfung) verstanden, sondern als eine auf dem Beruf des Augenoptikers aufbauende Weiter- und Höherqualifizierung gesehen.
• Die Schwerpunkte der Ausbildung sollen auf Anatomie, Physiologie und Pathologie des Auges sowie Pharmakologie gelegt werden.
• Für Optometristen mit akademischem Abschluss eröffnen sich ausgezeichnete Zukunftsperspektiven, da insgesamt mit sehr guten Beschäftigungsmöglichkeiten zu rechnen ist.