Zwei Jahre Augentagesklink für Kataraktchirurgie am AKH Wien

An der Wiener Augenklinik werden seit 1992 Kataraktoperationen ohne Naht und in Tropfanästhesie durchgeführt. Damit wurden bereits damals die Voraussetzungen für die tagesstationäre Kataraktchirurgie geschaffen. Mitte 2006 wurde seitens AKH und MUW grünes Licht für die Auslagerung aus dem stationären Bereich gegeben und die für die Einrichtung einer Augentagesklinik (ATK) erforderlichen Ressourcen bereitgestellt. Nach nur 4-monatiger Planungs- und Umbauzeit hat diese mit Januar 2007 den Vollbetrieb aufgenommen.

Von Univ. Prof. Dr. Rupert Menapace, Leiter der Augentagesklinik am AKH Wien

Die Katarakt-OP ist standardisierbar. Im Rahmen einer ablaufoptimierten ATK können hohe Operationszahlen erzielt und damit Kosten und Wartezeiten minimiert werden. Für die ATK wurde dies wie folgt umgesetzt.

Vormerkung und Reihung
Die Anmeldung zur OP erfolgt durch die niedergelassenen FachärztInnen mittels Faxoder Email-Formular. Dieses enthält neben den Basisdaten der PatientInnen Angaben betreffend Refraktion, Visus, Kataraktreife, Mobilität, Sozialumfeld und Dringlichkeit mit Begründung.

Die Terminzuteilung erfolgt blockweise jeweils 4-6 Wochen vor dem OP-Termin per Post. Mitgesendet werden Aufklärungsbogen sowie straff und verständlich formulierte Angaben betreffend Vorbereitung, Ablauf, und Nachsorge. Primäres Reihungskriterium ist der Anmeldezeitpunkt, bei Dringlichkeit (Berufstätigkeit, beidseitige Katarakt, etc.) wird vorgereiht.

Für besonders dringende Fälle, aber auch um OP-Absagen kurzfristig aufzufüllen und damit die OP-Kapazitäten auszulasten, ist zudem eine Springerliste eingerichtet, aus der bereits voruntersuchte PatientInnen telefonisch einberufen werden können. Innerhalb dieser Liste wird wiederum nach Dringlichkeit gereiht.

Aufnahmeuntersuchung und Einweisung
Diese erfolgen in der Regel eine Woche vor dem OP-Termin blockweise durch MitarbeiterInnen
jenes Teams, das die PatientInnen auch operativ betreut.

Nach gründlicher Anamnese und Augenuntersuchung mit Biometrie können die PatientInnen noch Fragen zur OP stellen, bevor Sie die Einverständniserklärung unterfertigen.

Danach werden sie vom Pflegepersonal der ATK in die Räumlichkeiten und den Ablauf der prä- und postoperativen Pflegemaßnahmen eingewiesen und haben zudem Gelegenheit, noch offene Fragen im Kreise der anderen OP-KandidatInnen zu stellen.

Am Tag vor der Operation wird den PatientInnen telefonisch die Uhrzeit mitgeteilt, zu der sie sich in der ATK einfinden sollen.

Operation
Die PatientInnen werden von den PflegedienstmitarbeiterInnen in der Wartezone vor der ATK in Empfang genommen und in den präoperativen Bereich gebracht. Die Administrierung erfolgt selbsttätig durch die Leitstellenbedienstete.

Die Pflegeperson überprüft die persönlichen Patientendaten, erhebt die Sozial- und Pflegeanamnese, erkundigt sich nach der Medikamenteneinnahme und dem Befinden, kontrolliert Blutdruck und eventuell auch Blutzucker. Dann kleiden sich die PatientInnen für die Operation um und versperren Kleidung und persönliche Wertsachen in einem Garderobekästchen. Anschließend werden sie in den OP eingeschleust.

Operiert wird von 8 bis 16 Uhr mit einstündiger Mittagspause, insgesamt werden 12– 14 PatientInnen pro Tag eingeteilt. Die OPs werden durchwegs von erfahrenen Chirurgen mit modernster OP-Gerätetechnik (Operationsmikroskop OPMI Lumera T von Carl Zeiss) durchgeführt.

Nachsorge
Nach der OP werden die PatientInnen im Rollwagen in den Ruhebereich der ATK transferiert, wo ihnen nach evt. Befundkontrolle eine kleine Mahlzeit mit Getränken serviert wird. Danach erklärt eine Pflegeperson möglichst im Beisein der Begleitperson(en) nochmals die weiteren Verhaltensweisen. Außer Augenreiben sind den PatientInnen grundsätzlich alle Tätigkeiten uneingeschränkt erlaubt.

Einseitig operierte PatientInnen erhalten eine Schutzschale, beidseitig operierte eine Schutzbrille. Abschließend wird den PatientInnen ein Kurzbefund mit Angaben zu OP, Tropftherapie und Kontrolltermin und ein Linsenpass mitgegeben.

Weitere Kontrollen
Alle PatientInnen wurden bereits im Rahmen der Terminvergabe angewiesen, vorab einen Termin bei ihrem(r) Facharzt(ärztin) 3 bis 10 Tage nach der OP zu vereinbaren. Die PatientInnen erhalten zudem eine Notfallnummer, an die sie sich im Falle von Beschwerden oder Fragen das operierte Auge betreffend rund um die Uhr wenden können. Ein(e) diensthabende(r) Facharzt/Fachärztin kann dabei die Dringlichkeit erfragen und die PatientInnen im Bedarfsfall in die Notfallambulanz der Augenklinik einbestellen.

Die weitere Betreuung mit Brillenverschreibung wird wieder vom Facharzt oder der Fachärztin übernommen.

Das Konzept der ATK am AKH hat sich außerordentlich bewährt: 2007 wurden über diese bereits knapp 1600 Katarakt-OPs abgewickelt, 2008 werden es über 2000 sein. Die Akzeptanz seitens der PatientInnen ist hervorragend.

Die Komplikationsrate ist verschwindend klein. Das räumliche und funktionelle Herauslösen aus der Klinik hat Ambulanz- und Stationsbetrieb erheblich entlastet.

Die nachhaltige und auch im Jahr 2008 wirksame Gesamteinsparung betrug bei gleichbleibender Erlössituation ca. € 150.000,– bzw. € 240.000,– (Personalkosten bereinigt um Gehaltserhöhungen)*.

Wir gehen davon aus, dass dieses Konzept in naher Zukunft an allen Spitälern in Österreich eingeführt und auch für andere Eingriffe wie intravitreale Medikamentengabe und standardisierbare Glaskörperchirurge Anwendung finden wird.

AUSKÜNFTE:
40400-7946 (Terminvergabe) und -7980 (ATK), sowie beim Autor:
rupert.menapace@meduniwien.ac.at

* Menapace RM, Reich M, Schmelzenbart E, Schmidt-Erfurth U. Die Augentagesklinik für Kataraktchirurgie an der Universitätsaugenklinik Wien: Konzept und Rückblick auf zwei Betriebsjahre. Österreichische Ärztezeitung, im Druck