LENSTAR. Sternchen oder Star.

Optische Biometrie und mehr – für Klinik und Praxis. Ein erster kurzer Erfahrungsbericht.

Von Univ. Prof. Dr. Andreas Kruger

Genau zehn Jahre nach der Markteinführung des IOL Masters von Zeiss im September 1999 schicken sich die Eidgenossen und Feinmechaniker aus Bern an, diesen Marktbereich zu erobern. Auf der ESCRS 2008 in Berlin wurde im September 2008 der LENSTAR LS 900 von Haag-Streit AG der Öffentlichkeit präsentiert.

Was kann der LENSTAR was IOL Master von Zeiss nicht kann? In einem einwöchigen Testlauf und Vergleich konnte ich die Stärken und Potenziale ausloten.
Mit der Laserinterferometrie ist eine Genauigkeit in der Biometrie ereicht worden, die absehbar mit klinischer Relevanz kaum weiter gesteigert werden kann. Sie stellt den Standard dar. Die interferometrisch gemesgemessene Achsenlänge wie auch die Messung der Hornhautradien haben je einen Fehleranteil von ca. 0.2dpt. Der Anteil der sogenannten unmessbaren Augen liegt bei beiden Geräten knapp über 10%.

Die verwendete Technologie der OLCR (optical low coherence reflectometry) ermöglichte den Bau eines kompakten Messkopfes für die Bestimmung von Parametern auch der Bulbusvorderabschnitte auf optischem Wege. Eine sog. komplette optische Biometrie ist so möglich geworden.

Damit tritt auch augenfällig ein wesentlicher Unterschied in Erscheinung. Der LENSTAR LS 900 weist getrennten Messkopf und Rechner sowie Monitor auf. Ein wahrer Vorteil, denn der LENSTAR LS 900 ist dadurch als Zweitgerät neben der Spaltlampe auf der Untersuchungseinheit integrierbar. Auch später erforderliche upgrades sollten somit einfacher und auch günstiger durchführbar sein.

Von Anfang an findet sich ein geübter „Biometrist“ in der Bedienung und der Menüführung gut zurecht. Das Erscheinungsbild am Schirm ist gut gelungen, modern und angenehm gestaltet. Ein großer Schirm lässt natürlich mehr Platz zur Darstellung von Details.

All-in-one lautet das Marketingkonzept. Eine Vielzahl von Messungen, wie Keratometrie, Pachymetrie, Linsendicke, Weiss-zu-Weiss, Vorderkammertiefe etc., werden in einem Vorgang akquiriert. Mit entsprechendem Zeit- und Konzentrationsaufwand – für Untersucher und Untersuchten. Doch es zahlt sich aus. Für eine vollständige Messreihe, um Daten für alle gängigen Biometrieformeln zu erheben, benötigten wir pro Auge etwa zwei Minuten, hier sind IOL Master Zeiss und LENSTAR LS 900 vergleichbar.

Im klinischen Ablauf kann bei geeigneter Montage durch den Wegfall der „Umsetzzeiten“ von Spaltlampe zur Biometrieeinheit einiges an Zeit für z.B. Aufklärungsgespräche gewonnen werden.

Achsenlängenmessung mit den Teilstrecken, HH-dicke Vorderkammertiefe, Linsendicke und Retinadicke werden mit dem LENSTAR LS 900 erhoben. Im Unterschied zum IOL Master Zeiss, wo die VKT aus dem seitlichen Lichtspalt errechnet wird. Eine etwas erhöhte Präzision für IOL Berechnungen könnte daraus abgeleitet werden. Hornhautdicke und Linsendicke können mit dem IOL Master Zeiss nicht errechnet werden.

Ob eine zusätzlich erhobene Netzhautdickenmessung klinisch verwendet werden könnte (Ödem) und daher einen Einsatzbereich hätte, war nicht Gegenstand dieses kurzen Testlaufs. Aber immerhin ein interessantes Detail.

Was noch fehlt, ist eine Möglichkeit der Berechnung geeigneter Linsenstärken nach refraktiver Chirurgie und die Darstellung der Ergebnisse nach IOL-Berechnungen für beide Augen auf einer Bildschirmseite.

Ein Feature für den interessierten Patienten stellt die Darstellung der Messergebnisse dar: Bei Anwahl der Zahlenwerte in der entsprechenden Kategorie werden nicht nur nackte Messdaten, sondern auch die entsprechenden graphischen Details des Augenmodels rot hervorgehoben. Wer die Zeit und Muse hat, die Daten mit seinen Patienten zu besprechen, wird dies hilfreich finden. Der Zeitpunkt der Markteinführung scheint durchaus klug gewählt, sind doch die ersten optischen Biometriegeräte bezüglich Geschwindigkeit und Kompatibilität schon in die Jahre gekommen.

FAZIT: „Vor allem für Kliniken mit hohem Patientenfluss kann der LENSTAR LS 900 wegen der Integration in den Arbeitsablauf seine Vorteile ausspielen. Bei Reinvestitionen in diesem Bereich mehr als eine Überlegung wert.“

ZUSAMMENGEFASST: Komplette optische Biometrie-Einheit, angereichert mit Pachymetrie und Netzhautdickenmessung, in kompakten, für Untersuchungseinheiten geeigneten Ausmaßen.