Das gesamte Spektrum der Augenheilkunde in St. Pölten
Die neue Abteilung für Augenheilkunde und Orbitachirurgie am Landesklinikum St. Pölten
Von Prim. Univ. Doz. DDr. Armin Ettl

Im Oktober 2006 wurden die beiden Augenabteilungen am Landesklinikum St. Pölten durch die Niederösterreichische Landesklinikenholding zusammengelegt. Mit der Leitung und Zusammenführung der beiden Abteilungen wurde Univ. Doz. DDr. Armin Ettl beauftragt. Aufgrund der Fusion ist die Abteilung in der Lage, das gesamte Spektrum der Augenheilkunde abzudecken.

Mit 64 Betten – aufgeteilt auf zwei Stationen und einer tagesklinischen Station, mehr als
5.000 Eingriffen in einem Jahr, 93 Mitarbeitern (davon 23 Ärztinnen bzw. Ärzte) und zahlreichen
Spezialambulanzen gehört die Abteilung zu den großen Augenabteilungen in Österreich.
Neben ca. 100 Schieloperationen und 140 größeren Eingriffen an der Augenhöhle, werden pro Jahr ca. 200 Netzhaut- und Glaskörperoperationen, ca. 2.600 Kataraktoperationen und 1.000 plastische Lid- und Tränenwegseingriffe durchgeführt.

Nach Fusion der beiden Augenabteilungen wurde neben dem bestehenden, zu klein
gewordenen Augen-OP ein zusätzlicher für die gesamte Augenchirurgie modernst ausgestatteter
Operationssaal errichtet. Neben allen Möglichkeiten für die intraokulare Chirurgie, wurde für die Orbitachirurgie ein neurochirurgisches Operationsmikroskop mit Möglichkeit der Implementierung digitaler Bilddaten (MRI, CT) angeschafft.

Den Schwerpunkten entsprechend, gliedert sich die neue Augenabteilung in zwei große Teilbereiche, einerseits die intraokulare Chirurgie (vorderer und hinterer Augenabschnitt) und andererseits die extraokulare Chirurgie (Okuloplastik, Orbita, Schielbehandlung und Neuroophthalmologie). Die beiden Teilbereiche werden durch die beiden Oberärzte Dr. Christian Tomschi (intraokulare Chirurgie) und Dr. Jörg Hildebrandt (extraokulare Chirurgie) geleitet.

Behandlungsschwerpunkte Intraokulare Chirurgie

Pro Jahr werden ca. 2.600 Kataraktoperationen durchgeführt. Dabei kommen alle gängigen
Anästhesieformen inklusive Tropfanästhesie und Sedoanalgesie zur Anwendung. In Zukunft
soll die Zahl der tagesklinisch durchgeführten Kataraktoperationen noch gesteigert werden. Dies wäre nicht möglich ohne die hervorragende Kooperation mit den niedergelassenen Augenfachärzten in der Vor- und Nachsorge unserer Patienten.

In der Glaskörper- und Netzhautchirurgie (OA Dr. C. Tomschi und OA Dr. W. Till) reicht
das Behandlungsspektrum von konventionellen Ablatiooperationen und Vitrektomien bis zu
Eingriffen bei Frühgeborenenretinopathie und diabetischer Retinopathie. Bei macular pucker
und Makulaforamina wird die transkonjunktivale 25 G Vitrektomie angewandt. Bei komplexen
okulären Traumata mit Netzhaut- und Linsenbeteiligung erfolgt eine Komplettversorgung.
Erfahrung besteht auch bei neueren Entwicklungen in der Glaskörperchirurgie wie nahtlose 23 G Vitrektomie, „sheathotomy“ bei Astarterienverschlüssen und Optikoneurotomien.

Eine deutliche Zunahme an Behandlungen gibt es seit der Einführung der intravitrealen Anti-VEGF-Therapie in der Makulaambulanz (OA Dr. Ursula Buchinger). Routinemäßig werden hier neben der Fluoreszenzangiographie konventionelle Laserbehandlungen, photodynamische Therapien und intravitreale Injektionen durchgeführt.

Vorgesehen ist auch die retinale Schnittbilddiagnostik mittels OCT. Die Oberärzte der Hornhaut- und refraktiven Ambulanz (OA Dr. W. Till und OA Dr. B. Hahsler) haben eine langjährige Erfahrung mit therapeutischen und refraktiven Excimerlaserbehandlungen. Derzeit wird an der Einführung der CISIS-Technologie (corneal intrastromal myo-ring implantation system) zur Behandlung des Keratokonus gearbeitet. Selbstverständlich wird auch die Implantation von phaken faltbaren Intraokularlinsen und torischen Intraokularlinsen angeboten.
Hornhauttransplantationen werden routinemäßig in Kooperation mit der Hornhautbank der Wiener Universitäts- Augenklinik durchgeführt.

Extraokulare Chirurgie
In den Spezialgebieten orbitale und okuloplastische Chirurgie absolvierte Dozent Ettl eine
Zusatzausbildung (Fellowship) am Orbitazentrum in Amsterdam und im Moorfields Eye Hospital in London. Zusätzlich war er im Jahr 2006 im Rahmen einer orbitachirurgischen Gastprofessur an der University of British Columbia in Vancouver tätig.

Die St. Pöltener Augenabteilung gilt österreichweit als Überweisungszentrum für Patienten mit Erkrankungen der Augenhöhle. Dekompressionsoperationen bei Endokriner Orbitopathie zählen mittlerweile zu Routineeingriffen. Die häufigste Erkrankung der Orbita ist die Endokrine Orbitopathie. Eine Verbesserung oder im Idealfall eine fast vollständige Rehabilitation kann
im chronischen Stadium der Erkrankung mit diversen chirurgischen Eingriffen (Orbitadekompression, Ober- und Unterlidverlängerung, Schieloperation, Lipoblepharoplastik)
erreicht werden. Hier darf erwähnt werden, dass Dekompressionsoperationen heute sehr sicher durchgeführt werden können und deshalb auch bei störendem Exophthalmus ohne Optikusneuropathie indiziert sind. Regelmäßig werden auch Tumoroperationen an der Augenhöhle und den Augenlidern durchgeführt. Bei Orbitatumoren führt eine frühe Operation meist zu besseren Ergebnissen als ein Eingriff im Spätstadium, wenn fast die gesamte Augenhöhle durch Tumormassen ausgefüllt ist. Nicht alle Tumore müssen jedoch operiert werden. Als Beispiele seien hier das Lymphom und das Sehnervenscheidenmeningeom genannt, welche in der Regel durch eine stereotaktische fraktionierte Radiotherapie behandelt werden.

Zur Augenhöhlen-chirurgie zählen auch Eingriffe bei Enophthalmus, Anophthalmus und Post Enucleation Socket Syndrom, wo beispielsweise Hydroxylapatit- Implantate zur Volumsaugmentation zur Anwendung kommen. Zur täglichen Routine zählen neben Schieloperationen auch okuloplastische Eingriffe bei Lidfehlstellungen wie beispielsweise Ptosen.
Stark im Ansteigen begriffen sind Blepharoplastiken an den Ober- und Unterlidern aus ästhetischer Indikation. In der Tränenwegschirurgie kommen altbewährte Methoden (z. B. Dacryocystorhinostomie) neben minimal invasiven endoskopischen Verfahren (z. B. Microdrill) zur Anwendung.

Die Abteilung fungiert auch als Ausbildungsstätte für die Ausbildung zum Facharzt für
Augenheilkunde, wobei 10 von der ÖÄK genehmigte Ausbildungsstellen vorhanden sind.
Um die dadurch notwendigen Erfordernisse zu erfüllen, wurde eine verpflichtende Assistentenrotation durch alle Spezialambulanzen und Teilgebiete der Augenheilkunde eingeführt. Zusätzlich gibt es regelmäßig abteilungsinterne Fortbildungen, Fallbesprechungen sowie Angio- und Fotovisiten.

Kontakte und Ambulanzen

Augenheilkunde und Orbitachirurgie
Landesklinikum St. Pölten
Propst-Führer-Straße 4
3100 St. Pölten
www.stpoelten.lknoe.at

Abteilungsleiter Prim. Univ. Doz. DDr. Armin Ettl

Chefsekretariat Erika Just
Tel.: (02742) 300-17107
Fax: (02742) 300-17109
orbitazentrum@stpoelten.lknoe.at

Leitende Oberärzte
OA Dr. C. Tomschi (Intraokulare Chirurgie)
OA Dr. J. Hildebrandt (Extraokulare Chirurgie)

Allgemeine Augenambulanz
Leitung: OA Dr. B. Hahsler
Tel.: (02742) 300-11421
Fax: (02742) 300-11319
augenheilkunde@stpoelten.lknoe.at

Strabologie („Sehschule“)
Leitung: OA Dr. H. Gruber,
OA Dr. K. Ettl
Tel.: (02742) 300-17106
Fax: (02742) 300-17109
orbitazentrum@stpoelten.lknoe.at

Spezialambulanzen
• Glaukomambulanz
• Hornhautambulanz und refraktive Chirurgie
• Makula- und konservative Netzhautambulanz
• Netzhautchirurgie
• Neuroophthalmologie und Elektrophysiologie
• Orbitaambulanz und Endokrine Orbitopathie
• Plastische und ästhetische Lidchirurgie
• Schielbehandlung und Kinderaugenheilkunde
• Standardisierte Echographie
• Tränenwegschirurgie und Tränenwegsendoskopie
• Visuelle Rehabilitation und Sehbehinderung