Der Verband der pharmazeutischen Industrie hat den Verhaltenscodex verschärft

Die neue Pharmaindustrie-Etikette
Von Mag. Bernhard Steiner*

Die Pharmaindustrie leistet viel, muss aber auch intensiv an Ihrem Image arbeiten, um nicht als eine Art Incentiveorganisation für MedizinerInnen wahrgenommen zu
werden. Sie hat sich daher mit dem aktuellen Verhaltenscodex selbst ein strenges Reglement verpasst.

In dieser Situation hat der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (PHARMIG), seinen Verhaltenscodex für Information, Werbung, den Umgang mit Ärzten und anderen Berufsgruppen verschärft und präzisiert. PHARMIG-Generalsekretär Dr. Jan Oliver Huber hat im Gespräch mit „Medical Network“ erläutert, wie sich die neue Etikette gestaltet.

Die pharmazeutische Industrie ist sehr stark kritisiert worden. Es würden zu hohe Gewinne
erwirtschaftet, zu viel Marketingbudgets eingesetzt, es würden Ärzte finanziert und so weiter“, weiß Huber, „deshalb haben wir diesen Codex sehr viel klarer als die letzte Fassung formuliert
und damit auch Standards im Selbstverständnis der pharmazeutischen Industrie gesetzt. Wir wollen schließlich alles tun, um ein faires Miteinander und eine saubere Branchenkultur zu gewährleisten.“

Berücksichtigt wurden auch die Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes und neue Medien
und Kommunikationsformen. So widmet sich ein Abschnitt des Codex dem Umgang mit dem Internet.

Beschwerden aus den vergangenen Jahren richteten sich unter anderem gegen Gewinnspiele.
Diese Glücksspiele sind jetzt generell verboten. Nur mehr Preisausschreiben, die den Teilnehmern eine fachliche Leistung abverlangen, sind möglich. Und auch nur dann, wenn die Preise geringwertig sind.

Symposien, Kongresse und andere Weiterbildungsveranstaltungen müssen ausschließlich
der fachlichen Fortbildung dienen und dürfen nicht zu Luxusreisen verkommen. Generalsekretär
Huber stellt klar: „Zur Fortbildung brauche ich keinen pompösen Rahmen.“ Zudem haben Veranstaltungen grundsätzlich im Inland angesiedelt zu sein. Es sei denn, zwingende Gründe erfordern die Wahl eines Veranstaltungsortes im Ausland. Ehegespons, Kinder und die Schwiegermutter müssen zuhause bleiben oder die Reise selber finanzieren: „Die Einladung von Begleitpersonen ist nicht gestattet, daher dürfen pharmazeutische Unternehmen für diese weder die Organisation noch Kosten für Reise, Verpflegung, Übernachtung oder Aufwendungen für Freizeitaktivitäten übernehmen.“

Strenge Regeln gelten für die Abgabe von Ärztemustern: In Anlehnung an das Arzneimittelgesetz unterliegen Menge, Abgabezeitraum und -modus genauen Regulierungen.

Die Entwicklung eines modernen Medikaments kann rund eine Milliarde Dollar kosten. Huber: „Pharmazeutische Unternehmen sind Wirtschaftsunternehmen und in der Regel an der Börse gelistet und müssen den Erwartungshaltungen der Investoren entsprechen.“
Trotzdem dürfen neue Präparate nicht länger als 12 Monate nach erstmaliger Inverkehrbringung
das verkaufsfördernde Attribut „Neu“ in der Werbung für sich in Anspruch nehmen. Auch
Studien und Anwendungsbeobachtungen, die dazu dienen, neue Erkenntnisse über das Präparat
nach der Zulassung zu gewinnen, sind geregelt. „Anwendungsbeobachtungen sowie alle anderen Studien oder Datenerhebungen dürfen nicht zum Zweck der Beeinflussung von Therapie- oder Beschaffungsentscheidungen oder zu bloßen Werbezwecken missbraucht
werden“, heißt es im Verhaltenscodex.

Insgesamt ein zu enges Codex- Korsett? Durchaus nicht. Dr. Jan Oliver Huber: „Eine Reihe von pharmazeutischen Unternehmen hat interne Guidelines, die oft noch viel strenger als die österreichischen Gesetze und der Codex sind.“

WEITERE INFOS:
www.pharmig.at

* Mag. Bernhard Steiner ist Geschäftsführer von HAAG STREIT Österreich und Gastautor von „Medical Network“.