OCT – the next Generation
RTVue-100 von OPTOVUE – ein Praxistest
Nur wenige dignostische
Verfahren haben in der
Augenheilkunde in so
kurzer Zeit eine derartige Bedeutung
erlangt wie die optische Kohärenztomographie – das OCT. In
der Beurteilung des Hinteren Augenabschnittes
zB. bei der AMD,
bei Makulaforamina, bei epiretinalen
Membranen oder Traktionen
hat das OCT eine neue Dimension
eröffnet. In vielen Fällen
wurde durch diese nichtinvasive
Untersuchung auch eine
Fluoreszenzangiographie überflüssig.
In der Diagnostik der
peripapillären Nervenfaserschichtdicke
beim Glaukom
führte das OCT bislang
ein Schattendasein.
Neben den
Hinterabschnitt-
OCTs wurden in
den letzten Jahren
auch OCTs für den
vorderen Augenabschnitt
zur Beurteilung
von Hornhaut,
Vorderkammer,
Kammerwinkel
und Iris entwickelt.
Das Stratus OCT von Carl Zeiss
Meditec ist bislang
für die Beurteilung
des hinteren Augenabschnittes
der
goldene Standard,
diese Technologie
hat auch weiteste
Verbreitung gefunden – weltweit sind
mittlerweile 8000
OCTs im Einsatz.
Nahezu gleichzeitig
von mehreren
Anbietern
ist nun innerhalb
des letzten Jahres
eine neue weiterentwickelte
OCT-Technologie auf den Markt
gekommen, das Fourier Domain
OCT. Es handelt sich um die
nächste OCT-Generation mit extrem
verkürzter Untersuchungsdauer,
welche hochauflösende
und dreidimensionale Hinterabschnittscans
ermöglicht. Das
Prinzip der Aufnahme ist grundsätzlich
gleich wie bei der herkömmlichen
Time Domain OCTAufnahmetechnik – die Reflexion
des emittierten Laserlichtes
wird nach dem Prinzip des Ultraschalls
dedektiert, durch die
kleine Wellenlänge des Lichtes
im Vergleich zum Schall ergibt
sich eine extrem hohe Auflösung,
wir erhalten sozusagen eine Invivo-
Histologie.
Eines dieser neuen OCTs, das
RTVue-100 von OPTOVUE konnte
von uns (bislang Time Domain
OCT-Nutzer) im Praxis- und Abteilungsalltag
getestet werden.
Technische Daten:
26000 A scans/sec, 5 μm Tiefenauf
lösung, 2–2,3 mm Scantiefe.
Mit diesen Eckdaten lassen
sich 3 D Scans von Papille oder
Makula in nur 2 Sekunden erstellen,
sowie Macula-Maps mit
5 x 5 mm Fläche, High Defintion
Scans mit verbesserter Auflösung,
Glaukomanalysen mit Beurteilung
der Nervenfaserdicke,
und Papillen- und Excavationsmessungen
durchführen. Durch
die Erhöhung der Scanzahl von
400 A scans/Sekunde (bisherige
Time Domain OCT-Technologie)
auf 26000 Scans/Sekunde (Fourier
Domain OCT) kann die Aufnahmegeschwindigkeit
enorm gesteigert
werden, durch die kurze
Aufnahmezeit entstehen Augenbewegungsartefakte
deutlich seltener
als bisher.
Wie bewährt sich nun das
neue RTVue-100 im
Praxis- und Abteilungsalltag?
Der Time Domain OCT – Anwender
ist im ersten Moment von
der enormen Schnelligkeit der
Aufnahmeprozedur überrascht.
Selbst ein 3D Scan mit 101 Einzelscans
benötigt nur eine Aufnahmezeit
von 2 Sekunden. Einzelscans
im High Definition Mode
sind deutlich schärfer als die bisher
gewöhnten Schnittbilder, zudem
hat man den Eindruck einer
größeren Schnitttiefe.
Obwohl die Einzelschnitte der
3D Aufnahmen nicht schärfer erscheinen
als bei der herkömmlichen
Time Domain Technologie,
ermöglicht aber die Zusammenfügung
von 101 Schnitten zu einer
dreidimensionalen Abbildung eine
bisher nicht dagewesene Beurteilungsqualität.
Dem kritischen Anwender
stellt sich hier im ersten
Moment die Frage ob diese neuen
Möglichkeiten der 3D-Darstellung
lediglich eine technische Spielerei
bei schnellerer Aufnahmetechnik
und hoher Rechnerleistung sind
oder ob es ein wirklicher Fortschritt
ist: Es zeigt sich aber schon
nach kurzer Einarbeitungszeit,
dass auch kleinste Veränderungen
dargestellt werden, die man
mit bisherigen Methoden nicht bemerkt
hätte, da sie zwischen den
Schnittlinien gelegen sind. Somit
wird die die diagnostische Trefferrate
verbessert. Um die so festgestellte
morphologische Veränderung
genau zu studieren sind
zusätzliche Aufnahmen mit dem
HD (High Definition) Mode möglich.
Hier zeigt sich dann die höhere
Auflösung und Tiefenschärfe
gegenüber dem Time Domain OCT
im Einzelschnitt.
Auch bisher war die Beurteilung
der Nervenfaserschichtdicke
um die Papille
möglich, für die Papillenbeurteilung
bringt das Fourier
Domain OCT jedoch einen
Quantensprung der Verbesserung:
Neben Messung der
Nervenfaserschichtdicke um
die Papille gibt es nun auch
die Ganglienzelllayer-Erfassung
in der Makula und die
3D-Darstellung der Papille
mit Volumetrie – alles Features,
welche in der modernen
Glaukomdokumentation
angewandt werden. Bei der
Teststellung stand uns leider
die normative Glaukomdatenbank
noch nicht zur Verfügung,
diese wird erst bei
AAO im November 2007 vorgestellt.
Somit soll in Kürze
eine Papillen- und Nervenfaseranalyse
mit einem Gerät
möglich sein.
Nicht erproben konnten
wir das Cornea-Modul, wir sahen
lediglich Bilder davon:
Mit diesem Zusatz entsteht
aus dem RTVue-100 die „eierlegende
Wollmilchsau“ –
ein voll taugliches Vorderabschnitt-
OCT zur Beurteilung
der Hornhaut, des Kammerwinkels,
der Iris und der vorderen
Linsenfläche mit Netzhaut-
und PapillenOCT in der
gleichen Maschine. Wer vor
hat, sich in nächster Zeit ein
OCT – oder aber auch ein Tool
zur Papillen- und Nervenfaserdiagnostik
anzuschaffen,
sollte auf jeden Fall das RTVue-
100 in seine Überlegungen
einbeziehen.
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